Die Altjahreswoche auf der Insel

Veröffentlicht am 2. Jänner 2026 um 15:42

Nach einem Jahr Pause verschlug es mich wieder am Boxing Day nach England. Im 2025 war der Spielplan mit Spielen der ersten Liga aber sehr spärlich gesät.

So ging es für mich im 2025 bereits zum fünften Mal an den Flughafen Manchester. Der Morgenflug von Zürich nach Manchester war sehr gut gefüllt. Bei unserer Ankunft sollte die Reise per Taxi weitergehen, da am zweiten Weihnachtstag der öffentliche Verkehr in England nicht gross stattfindet. Das Ziel war Stockport. Knapp zehn Minuten vom Flughafen entfernt und somit näher zu erreichen als die Innenstadt von Manchester. Am Nachmittag stand die League One Partie zwischen Stockport County und Lincoln City auf dem Programm. Bis dahin widmeten wir uns dem Pubbesuch mit reichlich Bier. Zum Glück gibt’s die Wetherspoon Kette, andere Pubs durften so früh am Morgen noch gar kein Bier ausschenken.

Das Spiel war dann sehr gut besucht sein. Der Edgeley Park ist ein typisches englisches Stadion mit vier ganz unterschiedlichen Tribünen, sehr eng gestuhlt. Die Bise machte den Matchbesuch nicht sehr erträglich und trotzdem waren auch hier wieder Typen unterwegs, die wohl keine Kälte kennen. Wieso auch sonst gibt’s Leute, welche in diesem kalten Wetter in den kurzen Hosen unterwegs sind?

Das Spiel war nicht so der Bringer, obwohl beide Mannschaften in den vorderen fünf Positionen zu finden sind. Lincoln gewann schlussendlich das Spiel durch einen Elfmeter in der 92. Spielminute mit 1:2 und sicherte sich so drei wichtige Punkte für den Aufstieg in die zweithöchste Liga.

Da der Spielplan es gut mit uns meinte, war am Abend vom Boxing Day noch ein zweites Spiel möglich sein. Manchester United gegen Newcastle United. Die Ticketsituation war da aber nicht ganz einfach, so dass wir uns für ein VIP Angebot entschieden mit dem Zusatz von zwei Stunden Trinken und Essen nach dem Spiel. Für mich war es innerhalb von einem halben Jahr der zweite Besuch im Old Trafford. Das Spiel selbst wortwörtlich zum Einschlafen. Unsere Plätze waren direkt hinter dem Tor im zweiten Rang mit einer sehr guten Sicht aufs Feld sowie auf den Gästeblock. Die Fans aus Newcastle waren aber ebenfalls sehr schläfrig unterwegs. Nach der Pausenführung der Roten probierten «The Magpies» immerhin einen Punkt zu retten. Es sollte aber bei den Versuchen bleiben. So sahen wir ein einziges Tor und konnten uns nun ziemlich schnell dem Essensbuffet widmen und schauen, wie aufmerksam Linda war mit dem Auftischen von neuen Bier und Smirnoff Flaschen. Ein langer, aber lustiger Tag sollte dann wieder mit der Taxifahrt nach Stockport enden.

Am zweiten Tag verschoben wir unser Aufenthaltszentrum nach Birmingham. In der Nähe vom Bahnhof konnten wir unser Hotel für den Rest der Reise beziehen. Ich durfte den Zimmerpartner wechseln, in der Hoffnung auf schlafreichere Nächte. Nach einer kurzen Pause brachte uns der Zug nach Hednesford. Dort stand die Partie zwischen Hednesford Town und dem FC United of Manchester auf dem Programm. Eine Spitzenpartie der Northern Premier League, kurz siebthöchsten Liga in England, vergleichbar in der Schweiz mit der 3. Liga oder Clubs wie dem FC Teufen, FC Walenstadt oder der zweiten Mannschaft des SC Brühls. Wiederum machte uns die Bise sehr zu schaffen, da machte es irgendwie gar keine Freude, dass man das Bier im Stadion direkt auf den Zuschauerrängen trinken durfte. Auch die Stehplätze im Stadion waren für englische Verhältnisse ungewohnt. Das Spiel endete 1:1. Nachträglich können wir davon sprechen, dass wir dabei waren als der Keys Park in Hednesford einen neuen Stadionrekord verzeichnen konnte. 4'784 Zuschauer froren an diesem Samstag bei eisiger Kälte. Den Tag liessen wir in Birmingham beim Bier ausklingen.

Am Sonntag zogen wir einen fussballfreien Tag ein. Da lag der Schwerpunkt des Tages darin die örtliche Gastronomie zu unterstützen. Der Montag konnte dann wieder für den Fussball genutzt werden. Cheltenham war diesmal der Ort, verkehrstechnisch bisschen blöde. Der Bahnhof ausserhalb der Stadt und das Stadion quasi auf der anderen Seite der Stadt. Immerhin fanden wir in Cheltenham erstmals ein Pub, welches Fosters ab dem Zapfhahn anbot. So dass es bis zum Abend für uns nur dieses eine Pub gab. Muss man ja geniessen, so selten das australische Bier zu finden ist.

Das Spiel am Abend zwischen Cheltenham Town und Swindon Town war eine Partie der League Two. Die Heimmannschaft in den unteren Tabellenregionen, während Swindon oben mitspielt und sich Hoffnung auf den Aufstieg machen kann. Das Stadion wieder ein typisch englisches Stadion. Unten vor der Haupttribüne einige Stehplätze, die Sitze auf der Haupttribüne so eng, dass sich unsere Gruppe aufteilte. Die kleineren mit weniger Masse fanden Platz auf der Tribüne, die andern beiden zogen die Stehplätze vor. Die ganze Hintertortribüne war voll mit Gästefans. Die Stimmung auch sehr gut, wobei dem Geschehen auf dem Platz geschuldet, die Gästefans sehr laut waren. Swindon Town war wesentlich besser und gewann dann verdient mit 0:2. Zu empfehlen hier im EV Charger Points Stadium der Burger mit viel Zwiebeln. Auch hier war das Stadion fast ausverkauft. Knapp 6’000 Fans waren im Stadion. Nach dem Spiel mussten wir ziemlich stressen um ans andere Ende der Stadt zu kommen, wo uns einer der letzten Züge nach Birmingham brachte. Auffallend die grosse Anzahl Polizei in der ganzen Stadt. Gemäss Taxichauffeur sollten die beiden Fanlager auch aneinander geraten sein.

Am Dienstag stand bereits unser letztes Spiel auf dem Programm. Nochmals Premier League mit dem Spiel zwischen Nottingham Forest und Everton. Da die Stadt Nottingham für englische Verhältnisse als schön gilt, sind wir bereits recht früh dahin gefahren. Für ein paar Stunden erhielt unsere Gruppe auch Zuwachs. Für ein paar Biere reiste der Kollege, welcher in Wales unterwegs war, nach Nottingham um dann wieder zurückzufahren. Blöd für ihn, dass der Zug südwärts soviel Verspätung aufwies, dass er sein Spiel im Süden verpasste.

Das Stadion von Nottingham Forest liegt direkt am Fluss, welches von der Ferne ein sehr schönes Bild darstellt. Der City Ground fasst einwenig über 30'000 Zuschauer. Für Schweizer Verhältnisse unvorstellbar, dass wenige hundert Meter neben diesem Stadion ein weiteres Stadion mit über 20'000 Plätzen steht. Da würde es heissen, dass beide Clubs doch im gleichen Stadion spielen könnten. Notts County, League Two, der andere grosse Club aus Nottingham spielt im Meadow Lane Stadium. Wohl unvorstellbar, dass da mal beide Clubs gleichzeitig spielen werden.

Das Spiel zwischen Nottingham und Everton ist kurz beschrieben. Nottingham meist in Ballbesitz und Everton mit zwei erfolgreichen Kontern zum 0:2 Sieg für die Blauen aus Liverpool. Zu Beginn der beiden Halbzeiten sah man das Potenzial der Heimfans. Die Vereinshymne war sehr laut, während des Spiels waren die Heimfans dann eher ruhig. Anders die Gästefans hinter dem einen Tor. Sehr laut und immer wieder schön anzusehen, wie die bei einem Jubel völlig ausflippen.

Mit diesem Spiel in Nottingham ging dann am nächsten Tag mit dem Flug von Birmingham nach Zürich unsere Reise zu Ende. Fünfmal Fussball: zweimal erste Liga, einmal dritte, einmal vierte und einmal siebte Liga. 10 Tore, grob gezählte 18 verschiedene Biere, einige komische Düfte von Frischi und sehr viele nicht immer sehr hochstehende Gespräche.

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