Nach drei Tagen Skopje wollten sie uns dann erst nicht ausreisen lassen

Veröffentlicht am 3. Oktober 2026 um 11:21

Nationalmannschaftspause = Reisezeit oder mit anderen Worten: Am Donnerstagabend hob das Flugzeug von Chair in Zürich ab mit dem Ziel Skopje.

In den frühen Abendstunden konnten wir sicher in Nordmazedonien landen und auch ohne Probleme den Zoll passieren. Zu dieser Zeit waren noch alle guten Mutes.

Nordmazedonien hat sich 1991 nach dem Zerfall von Jugoslawien eigenständig gemacht. Seither war die Geschichte geprägt mit dem Streit mit Griechenland. In Griechenland gibt es eine Region, die sich Mazedonien nennt. Aus diesem Grund musste erst die Nationalflagge geändert werden und vor etwas mehr als sieben Jahren musste sich das Land von Mazedonien in Nordmazedonien umbenennen. So in etwa die Kurzfassung der jüngsten Geschichte.

Nach einer kurzen Taxifahrt vom Flughafen ins Zentrum freuten wir uns auf unser Hotel. Die Lage war top. Die Bewertungen auf den Buchungsportalen ebenfalls. Die schlechteste Bewertung von unserem Hotel war das WLAN mit einer Bewertung von 8,1. Schnell unser Gepäck ins Zimmer getan, freuten wir uns auf Balkanfood. Doch irgendwie kippte da die Stimmung. Im Zimmer fehlte ein Fenster, einzig ein Dachfenster war vorhanden. Im Badezimmer stank es nach Kloake. Das musste dann definitiv mit Bier und Essen verdaut werden. Mit Bier sollte auch die Nacht enden.

Im Hotelzimmer war dann nichts mit Türe lang offen lassen zum Badezimmer. Dafür liessen wir das Dachfenster offen, ein bisschen Luft musste ja rein ins Zimmer. Schnell den Schlaf gefunden. Doch irgendwie weckte uns dann bald mal eine Stimme und im Zimmer war es hell. Es war kurz vor 6 Uhr in der Früh und die Gläubigen wurden vom Turm herab beschallt. Na super.. Der Schlaf wurde nicht mehr gefunden und im Badezimmer wartete nicht nur eine Kloake, sondern auch eine kalte Dusche.

Der Freitag wurde dann vorallem mit Bier trinken, jassen und Essen verbracht. Am Abend landeten dann weitere Ostschweizer und die Trinkgruppe wurde grösser. Am Samstagmorgen dann wieder, nach wenig Schlaf, die Erinnerung von draussen, dass da Leute auf den Türmen rumtanzen. Das Zimmer zwei brachte es dann gar soweit, dass sie nach dem Frühstück nicht mehr ins Zimmer zurückkamen. Die Tür liess sich nicht mehr öffnen. Es musste erst ein Techniker aufgeboten werden. Nach knapp einer Stunde liess sich dann die Tür endlich öffnen. Traue also nie einer Bewertung von Hotelportalen.

Beeindruckend im positiven Sinne aber die Umgebung von unserem Hotel. Überall sehr schöne Bauten und Brunnen mit Statuen, die so hoch wie ein Haus sind. Weniger schön, wie sie gepflegt sind. Überall liegt Müll rum, auf den Gehwegen oder Strassen immer mal wieder ein Loch, das sehr schnell zur Stolperfalle werden könnte. Wir suchten dann die Markthalle im alten Bazar auf. Dort gibt es alles Mögliche zu kaufen. Handys, Käse, Gemüse, Getränke, sehr billige Markenschuhe, ebenso billige andere Markenkleider und Wellensittiche.

Wir haben uns dann aber keine Vögel gekauft, sondern liefen zum Fussball. Am Nachmittag war kurzfristig ein internationales Testspiel angesetzt worden. Der FK Shkëndija Haraçine aus der obersten Liga Nordmazedoniens spielte gegen den Erstliga Vertreter aus dem Kosovo, der KF Lapi. Das Spiel endete 1 zu 1. Das Bier holten wir uns im Supermarkt, dumm nur, dass wir im Stadion kein WC fanden und während des Spiels jeweils ins benachbarte Restaurant ausweichen mussten.

Nach diesem Spiel dann das eigentliche Ziel dieser Reise. Nations League: Nordmazedonien gegen die Schweiz. Mit dem Taxi ging es in Richtung Stadion, irgendwie vergassen wir auf dieser Reise dann immer einwenig die Zeit beim Biertrinken. So verliessen wir sehr spät unser Lokal in Richtung Stadion. Noch dümmer, dass wir falsch rum zu unserem Sektor liefen. Mit bisschen drängeln schafften wir es gerade rechtzeitig zur Nationalhymne ins Stadion. Um das Ticket scannen zu lassen blieb die Zeit nicht mehr. Einfach rechts an der Reihe vorbeigedrückt.

Das Stadion alles andere als voll. Verpflegung, sprich Bier, gab es nur ohne Alkohol. Das Spiel auch eher langweilig. Die Heimmannschaft hatte nie einen Hauch einer Chance. Nach dem Spiel war eine nervige Blocksperre angekündigt worden. Ob das ein Hochrisikospiel sein sollte? Auch im Gästeblock sicher 30 Polizisten mit Schlagstock und Schild. Der Hohn der Geschichte war, dass sich zwei unserer Gruppe das Stadion bisschen genauer anschauen wollten und den Gästesektor verliessen und um das ganze Stadion laufen konnten. Erst nach der Stadionrunde mit dem Wiedereintritt in den Gästesektor fielen sie auf. Es wäre somit einfach gewesen, dieser Blocksperre zu entgehen.

Nach der letzten Nacht im sehr gut bewerteten Hotel und dem morgendlichen Weckruf vom Turm war am Sonntag nochmals bisschen Sightseeing angesagt. Unser Flug war auf 23.30 Uhr geplant, direkt nach London Luton mit Wizzair. Irgendwie blieben wir aber in einem Lokal sitzen, assen ein letztes Mal das feine Essen und tranken etliche Skopsko. Übrigens laufen in diesem Land nicht nur die Toggenburger Firmenbesitzer mit einigen Tausender Noten durch die Gegend, sondern auch das Fussvolk. In der Altstadt wollen sie vorallem mazedonische Dinar in Bar. Als Zweitwährung geht auch der Euro. Am wenigsten beliebt ist die Kartenzahlung.

Mit einigen Skopsko intus ging es mit dem Taxi zum Flughafen. Ein Nachtflug stand an, da wäre doch ein bisschen Schlaf gar nicht so übel. Doch am Flughafen waren wir sehr schnell wieder nüchtern. Die wollen uns tatsächlich nicht nach Grossbritannien reisen lassen.

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