Seit Wochen immer wieder das eine Thema: 19. April - Cuphalbfinale in Yverdon!
Sogar bei der Arbeit, bei der ich mich eigentlich nicht gross über Fussball unterhalte: Wir gehen dann in den Bierhof dieses Spiel gucken oder andere: Wie komme ich echt an Tickets? Gefühlt überall Yverdon und nochmals Yverdon. Einer sollte gar seine Geburtstagsfete einen Tag vor diesem Tag als gepflegtes Day-Drinking deklarieren: Alters- und Fussballreisebedingt seine Gründe.
Auch hörte ich immer wieder im Vorfeld, dass es noch nie so einfach gewesen sei, mal wieder einen Titel zu gewinnen. Oder auch: Wenn nicht dieses Jahr, wann dann? Sogar: Wer nun der bessere Gegner wäre? Dieses Ouchy, welches dann die Ticketsituation für uns wesentlich vereinfachen würde oder dieses verhasste GC, dass dann wenigstens eine Rivalität auf die Zuschauerränge bringen würde?
Ich selber wollte mich nie auf solche Diskussionen einlassen. Zuviel haben die älteren Generationen mit unserem Herzensverein bereits erlebt, sprich ein Scheitern, wenn es dann wirklich darauf ankam. Ich selber war bis dahin neun Mal in Yverdon. Dabei habe ich genau zwei Siege gesehen. Einmal im Cuphalbfinale im 2022, sowie im 2008 ein Ligaspiel als sowohl Yverdon als auch St.Gallen nicht in der obersten Liga spielte. Der Rest war mehr schlecht als recht.
Nach Wochen viel Blabla über dieses Spiel, kam dann tatsächlich dieser 19. April. Der FCSG feierte an diesem Sonntag seinen 147. Geburtstag, doch so richtig war es am Morgen noch niemanden zum Feiern. Viele haben nicht viel geschlafen, die Nervosität war überall spürbar. Andere hatten Nachwehen von dem seriösen Day-Drinking. Trotzdem verlief die Reise ziemlich reibungslos. Viele Diskussionen mit anderen Fans liessen von der Nervosität abhalten. Da waren Leute am Start, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Die Bedeutung für dieses Spiel war überall riesig. Auf allen Tribünen waren St.Galler Fans anzutreffen. Irgendwo habe ich die Zahl 3000 aufgeschnappt, was bedeuten würde, dass die Mehrzahl im Stadion für das Gästeteam waren.
Auf dem Marsch die ersten Bedenken an unseren Sieg: Die Aufstellung zeigte eine Verteidigung, welche noch sie so zusammengespielt hatte. Mit Ruiz und Weibel gar zwei Debutanten, welche noch nie von Anfang an auf dem Feld standen. Nervig dann die Organisation im Stadion, das Catering heillos überfordert oder mit anderen Worten: In der Westschweiz wollen sie kein Geld verdienen. Endlich am Bierstand zuvorderst: Wieviele Biere sollen wir kaufen? Fünf oder gar zehn? Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir das Wort «Fünfzehn» auf Französisch aussprechen werden. Der Herr an der Kasse war dann irgendwie misstrauisch, mussten nun alle noch länger warten, da er fünfzehn Biere zapfen musste.
Gerade rechtzeitig zum Spielbeginn schafften wir es auf unsere Plätze. Links und rechts irgendwelche Groundhopper. Der eine hatte nicht so Freude, als ich ein Sticker von Sochaux wegriss. Irgendwie war dann auch die Nervosität verflogen. Unsere Mannschaft hatte das Spiel im Griff und ging schnell in Führung. Bis zur Pause alles im grünen Bereich. Nach der Pause sollte das Spiel nicht mehr so einfach für uns laufen. So richtig gefährlich wurde die Heimmannschaft nur einmal, doch genau dies war gefährlich. Ein Schuss aus dem Nichts könnte die Partie wenden. Ich musste die Tribüne verlassen und das WC aufsuchen. In Trabzon oder im letzten September in Bern sollte das Glück bringen, doch diesmal traf ich keinen Roger…
Der Blick auf die Zeit: Irgendwie will das Spiel nie fertig werden, die Sekunden verstrichen wie Minuten. Doch dann die Erlösung: Alessandro Vogt trifft zum entscheidenden 0 zu 2. Wir stehen im Cupfinal! Wir fahren nach Bern! Jozo Stanic und Christian Witzig, welche das Spiel im Gästesektor verfolgten und ihre Kollegen supporteten, kletterten über den Zaun zum mit ihren Mannschaftskameraden zu feiern
Ich weiss nicht wieviele bekannte, aber auch unbekannte, Leute ich in den nächsten Minuten umarmte. Soviel Emotionen mussten raus. Im zehnten Anlauf war der dritte Sieg in Yverdon Tatsache und was für einer! Was für eine Erlösung!
Am 147. Geburtstag der Einzug in den Cupfinal: Alles Gute, du grün-weisse Liebe!
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