Söll emol cho! .. Er isch cho!

Veröffentlicht am 26. Mai 2026 um 10:31

Er? Der Pott, Pokal, Chübel, die Sandoz Trophäe, wie auch immer.. Kurz: Der FC St.Gallen 1879 holt den Cupsieg und sichert sich nach 1969 den zweiten Cuptriumph!
Er? Für mich persönlich, der Schnupftabak.

Doch alles der Reihe nach: Die Meisterschaft wurde mit dem schönen zweiten Rang beendet, die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe konnten gesichert werden. Eigentlich bereits ein Erfolg, denn wer hätte dies vor der Saison gedacht, dass alles so gut laufen würde? Nun kam die Woche in der bereits viele Ligen in Europa ihre Saison beendet hatten. Die Nervosität stieg von Tag zu Tag, der Pfingstsonntag kam immer näher. Im Geschäft stand bei einem Arbeitskollegen die Geburt seines zweiten Kindes an. Ich fragte ihn: Fabian, bist du schon nervös? Er meinte, nein, am Pfingstsonntag werde ich dann bestimmt viel nervöser sein.

Die Ticketsituation war im Vorfeld für viele Fans eher schwierig. Die Leute ohne Saisonabo hatten die eine oder andere schlaflose Nacht oder waren bereit die Idioten zu berappen, welche ihr Ticket im Internet für viel Geld verkauften. In der Stadt stieg die Euphorie von Tag zu Tag, in der ganzen Ostschweiz wurden an Gebäuden oder Fahnenmasten grün-weisse Fahnen gehisst. Egal wo, es gab nur das eine Thema: Nicht nur der Chübel söll emol cho, sondern auch der Pfingstsonntag.

Dann kam er, der Sonntag: Viel wurde im Vorfeld organisiert. Wer, wo, wann mit was. Alles was sich einigermassen beeinflussen liess, klappte aus meiner Sicht. Einige waren am Vorabend noch in Berlin am Pokalfinale. Die Nacht mit dem Auto durchfahren um den ersten Extrazug in St.Gallen zu erreichen war die eine Option, die andere mit dem Flugzeug nach Zürich und dafür alleine nach Bern zu reisen. Der Bus aus Reutlingen ging morgens um 2.00 Uhr los, auch diese Leute schafften es rechtzeitig nach St.Gallen. Bereits vor dem Halbfinale war klar, wenn wir dieses Jahr den Cup nicht gewinnen, dann wohl nie mehr. Trotzdem war die Nervosität überall sehr hoch, denn so einfach mit dem Gewinnen ist es eben trotzdem nicht, erst recht nicht als St.Gallen. Wie oft hatten die Nerven in entscheidenden Momenten versagt? Doch dieses Jahr sollte alles gut kommen!

In Bern überall nur die Farbe Grün. Immer mehr Extrazüge trafen in Bern ein. Gegen Mittag verschob sich die grün-weisse Fanwand in Richtung Wankdorf. Meine Nervosität war irgendwie weg, zu fest war ich damit beschäftigt nicht anderen Fans auf die Ferse zu treten oder von anderen weggedrückt zu werden. Auch im Stadion keine grosse Nervosität. Das Spiel konnte beginnen und sehr schnell kam das erste Tor. Lausanne Ouchy war unterlegen, alles schien für uns zu laufen. Doch Wati wollte noch bisschen Dramaturgie ins Spiel bringen. Die Rote Karte nach seiner Notbremse brachte mich und wohl viele andere Fans zum Nachdenken, zudem stieg der Puls in höhere Level. Kommt jetzt das St.Galler Phänomen zum Tragen, dass in entscheidenden Momenten die Nerven versagen?

Die Roten drückten, konnten aber kein Tor erzielen. Bald einmal hiess es: Er looset! Der VAR hatte was gesehen. Als der Schiedsrichter zum Bildschirm lief, war klar, es gibt Elfmeter. In der Schweiz hat kein Schiedsrichter die Eier, sich gegen den Videoschiedsrichter zu entscheiden. Lukas Görtler sollte ab sofort bis weit in die Nacht eine zentrale Rolle spielen. Den Elfer versenkte er souverän. Von da an kamen keine Zweifel mehr auf. Es war nur noch ein Geniessen: Der FCSG ist Cupsieger 2026!

Auf der Rückreise erwartete mich eine Situation, vor der ich mich über Jahre immer drücken konnte. Braunes Zeug schnupfen? Nein! Wenn St.Gallen mal einen Titel holt, dann.. Eine Aussage, die ich irgendwie vor 10, 15 Jahre mal gemacht hatte. Leider ging das nicht vergessen. Bereits am Morgen: Hey, i han denn dä Schnupf debie. Kaum sind wir in Bern losgefahren, musste ich dranglauben. Die Fahrt nach Hause verging danach wie im Flug, schnell waren wir am Bahnhof St.Gallen, ganz so fit war ich nicht mehr. Der Tag war lang und durstig.

Die Menschenmasse einfach nur krank. Alle wollten den Cuptriumph feiern, alle zusammen. Die Bilder und Videos, die danach im Netz geteilt wurden, einfach Hühnerhaut. Doch jetzt kommt doch noch ein St.Galler Phänomen zu tragen: Nach dem Triumph gibt es Leute, die nach mehr Streben und versuchen, damit Profit zu schlagen. Auch das kennen wir doch bereits, die Geschichte wiederholt sich gefühlt immer wieder. Einfach schade. Hoffen wir, dass dieser Pfingstsonntag trotz allem mit dem Positiven in Erinnerung bleibt!

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Debora Bühler
Vor einer Stunde

Danke für den unvergesslichen Tag, hautnah dabei zu sein , Gänsehaut pur, Emotionen , Eindrücke die einem das Leben lang begleiten