Fussball WM in Amerika?

Veröffentlicht am 17. Juni 2026 um 14:27

Zur Fussball Weltmeisterschaft in Amerika reisen oder nicht? Für mich eigentlich immer klar, dass das ohne mich stattfinden wird.

Dann kam im Dezember die Auslosung. Die Schweiz wurde in die gleiche Gruppe wie Kanada gelost. Was bedeutet, dass die Schweiz mindestens ein Spiel in Kanada bestreiten würde. Einmal nach Kanada zu reisen, dies war schon reizvoller als die USA. Ein wenig Überredungskünste von Marion und schon war ich dabei. Vielleicht ein wenig labil.

Da ich alles andere als der Fan vom Fliegen bin, war danach das Ziel, den Flug so kurz wie möglich zu halten. Erst recht als die Spielorte der Schweiz bekannt wurden, alle drei Gruppenspiele an der Westküste. Da dreh ich ja durch im Flugzeug, etliche Stunden auf meinem Sitz sitzen und warten, bis wir endlich mal landen. Langeweile pur, nicht die Flugangst, die Langeweile ist der Hinderungsgrund für so lange Flüge.

Die Idee war, erstmals an die Ostküste zu fliegen und danach weiterschauen, was dort möglich ist. So war New York das Ziel und dann von dort aus weiter zum zweiten Gruppenspiel der Schweiz in Los Angeles. Der WM Spielplan gab vor, dass während des Aufenthalts in New York Frankreich gegen Senegal im Metlife Stadium spielen würde.

Als es Ende 2025 darum ging, sich für WM Tickets zu bewerben, war klar, dass sich die FIFA mit ihrem Walliser Ziegenkönig einmal mehr noch unbeliebter machte. Die Ticketpreise jenseits von Gut und Böse. Was anderes als sich für die billigste Kategorie zu bewerben, sprengte nicht nur das Budget, sondern liess mein Kopf irgendwie gar nicht zu.

Am Schluss kam es soweit, dass die Bewerbung für das Spiel zwischen Frankreich und Senegal erfolglos blieb. In den nächsten Wochen und Monaten kamen weitere Verkaufsphasen dazu, der Zweitmarkt wurde aufgeschaltet. Alles negativ. Auf dem Zweitmarkt wurden für dieses Spiel Tickets gehandelt, in Preisdimensionen, welches mir schlicht und einfach nicht Wert waren, bei diesem Spiel anwesend zu sein. Die FIFA hätte bei diesen Preisen ebenfalls noch einmal mitkassiert und zu den horrenden Preisen zusätzlich vom Verkäufer und Käufer nochmals je 15 Prozent abgesahnt. Das teuerste Angebot für das Frankreich-Spiel war einmal bei 800'000 Dollar. Ob dieser Verkäufer dieses Ticket losbrachte? Ich hoffe nicht. Die Hoffnung war da, dass kurz vor dem Spiel die Preise zusammenbrechen würden, da alle Spekulanten Angst hatten, dass sie ihre Tickets nicht losbrachten. Leider war meine Hoffnung vergebens. Am Morgen vor dem Spiel waren die günstigsten Tickets immer noch bei knapp 700 Dollar.

Unabhängig von diesem Spiel in New York sollte die WM 2026 meine zweite Fussball WM werden. Nach der WM 2018 in Russland, ein zweites Mal in einem Land, das gelinde gesagt, nicht gerade überall sehr beliebt ist. Wie schon 2018 kursierten im Vorfeld verschiede Gerüchte, was bei der Einreise ins Land alles passieren würde. Ob die Amis Freude haben werden, wenn mein Pass einen Russenstempel aufweist? Habe ich in den letzten Jahren was Falsches im Internet platziert? Wird bei der Einreise mein ganzes Handy durchforscht? Schlussendlich alles Fehlanzeige. Die Einreise verlief problemlos. Die Dame bei der Einreisekontrolle war im Vergleich zu Russland einfach ein wenig kommunikativer und verzog sogar mal eine Miene.

Nach dem Direktflug von Zürich nach New York, den ich irgendwie, mit einer kleiner Krise, verhältnismässig gut über die Zeit brachte, war an der Westküste erst Mittag. Der 15. Juni sollte in diesem Jahr 30 Stunden haben, für mich auf jeden Fall der Zeitverschiebung geschuldet. So hatten wir Zeit, erste Eindrücke von der Stadt zu sammeln. Das Hotel hatten wir strategisch so platziert, dass wir mitten in Manhattan wohnhaft sind für die kommenden zwei Tage. Im Vergleich zu den Ticketpreisen im Stadion, gingen die Preise der Hotels in den letzten Wochen und Tagen immer mehr nach unten. So konnte ich in den Tagen vor der Anreise mein Hotel ein weiteres Male stornieren und für einen tieferen Preis nochmals buchen.

Der Fussball war in Manhattan eigentlich nur durch andere Fussballfans spürbar. Immer mal wieder wurde Französisch gesprochen. Wieviel die wohl für ihr Ticket bezahlt haben? Einen wesentlich grösseren Anteil hatten aber ein anderes blaues Trikot. Überall liefen Schotten durch die Stadt. Schottland spielt am Freitag in Boston gegen Marokko.

Unser Programm in den letzten zwei Tagen in New York: Sightseeing und hin und wieder irgendwo in einem Pub Fussball gucken. Nach dem Times Square kam der Blick auf die Skyline der Stadt. Vom Rockefeller Center hatten wir eine schöne Sicht über die grosse Stadt. Beeindruckend diese Stadt mit all den hohen Häuschen. Schnell einmal merkten wir auch, dass es von Vorteil ist, wenn wir immer schön mit der Revolut Karte unsere Konsumationen bezahlten. Da schreibst du zwar das Trinkgeld für die Angestellten auf einen Zettel, doch abgebucht wird dir dann nichts, da es keine Kreditkarte ist.

Vorsicht auch beim Versuch, die Freiheitstatue zu besichtigen. Nicht die Fähre oder Boot nehmen, welche dir alle verkaufen möchten und auf der Insel der Statue landet, sondern die grosse Fähre nehmen, welche nach Staten Island führt und so einen schönen Anblick der Freiheitstatue gewährt und erst noch gratis ist. Beeindruckend auch der grosse Central Park. Soviel Grün, mitten in einer Millionenstadt.

Nach den zwei Tagen in New York folgt nun der nächste Flug. Wieder sechs Stunden sitzen, bis wir dann in Los Angeles sind und dort dann auch endlich Fussball im Stadion schauen können. Innert zwei Tagen meine beiden längsten Flüge. Bis dahin war es der Flug nach Kasachstan mit dem FCSG. Während ich diese Zeilen schreibe, schaue ich immer mal wieder aufs Handy und sehe, wie Angelo gerade das Wort «Fuck» benutzt im Zusammenhang mit der Auslosung vom Europacup. Es warten wohl noch weitere Fussballreisen in diesem Sommer auf uns…

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