Europa League Qualifikation: Benfica - St.Gallen

Veröffentlicht am 3. August 2026 um 17:59

Benfica Lissabon auswärts im Estádio da Luz mit 1’500 bis 2’000 St.Galler Fans? Leider Fehlanzeige!

Als im Mai bereits klar war, dass wir im kommenden Sommer wieder international spielen dürfen, hatte dies schon früh einen Haken. Da ist ja noch die Auswärtssperre der UEFA, welche mit den Pyros in Heidenheim ausgesprochen wurde und so nun etlichen Grün-Weissen den Zugang ins Estádio da Luz verwehrte.

Bereits vor der Auslosung wurden viele Gegner diskutiert, bei welchen es wohl doch irgendwie mit einem Zutritt ins Stadion funktionieren würde und bei welchen wohl eher gar nicht. Zypern, Belgien und weitere Länder, welche eine Ausweis- oder Fanpasspflicht haben, wären sehr schlecht gewesen. Auch Clubs mit kleinen Stadien wären wohl weniger geeignet gewesen. Dann doch lieber einen Gegner aus dem Osten, da es die wohl weniger genau nehmen? Oder eben ein Gegner mit einem grossen Stadion? Doch so ein grosses Stadion wie in Lissabon würde dann wieder bedeuten, dass der Gegner eher nicht zu knacken wäre. Das waren so die Gedankengänge weit vor der Auslosung.

Als wir an der Fussball WM waren, kam dann der Tag der Auslosung: SL Benfica Lissabon. Wow! Sportlich wohl fast nicht zu machen, aber ein grosses Stadion, da kommt man doch irgendwie rein, das ist nie und nimmer ausverkauft. Schnell mal zur Sicherheit einen Member bei Benfica gemacht; nützt es nichts, so schadet es nichts. 20 Euro haben wir doch schon blöder ausgegeben. In den nächsten Wochen, in denen das Spiel immer näher kam, hatten dann noch weitere Ostschweizer die Idee, einen Member zu erwerben. Bis die Tickets dann auch wirklich in den Verkauf kamen, wusste man aber nicht so wirklich, ob dieser Member was bringt. Erst Tage vor dem Spiel wurde von den Portugiesen kommuniziert, wie sie den Ticketverkauf organisieren. Alle Member, welche bis einen Tag vor der Auslosung ihren Member lösten, kamen in den Genuss vom Verkauf der Tickets. Unsere Member waren somit nutzlos. Nun mussten andere Lösungen her. Schnell mal stellte sich heraus, wer motiviert war an Tickets zu kommen und wer einfach nur hoffte, dass es dann schon irgendwie gehen würde. Im Vergleich zu anderen Fans hatten wir die Gewissheit bereits vor der Abreise, die Tickets auf sicher zu haben. Sicher ein gutes Gefühl.

Nach dem überraschenden, aber souveränen Heimsieg gegen Benfica, war die Motivation gross nach Lissabon zu reisen. Im Geschäft dann eher schwierig, wie es da weiter gehen sollte. Wusste ich ja nicht, ob ich nun gleich nach Lissabon wieder verreisen würde oder dann doch noch eine Woche arbeiten komme und erst übernächste Woche wieder auf Achse bin.

In Lissabon wollte man irgendwie nicht auffallen, eher kleinere Gruppen und immer schön neutral unterwegs. Als es dann in Richtung Stadion ging, schlug der Puls dann bei einigen doch eher höher aus. In Kleinstgruppen durch die Metro, dann in Richtung Eingang. Waren alle erworbenen Tickets gültig? Muss man da irgendwie einen Ausweis vorzeigen? Unsere Tickets hatten keinen Namen auf dem Ticket, andere wiederum hatten einen Namen aufgedruckt. Alles klappte ohne Probleme. Ich wusste von niemandem, welchem der Einlass verwehrt blieb. Soviel Aufwände und Ängste nur zum ins Stadion zu gelangen. War es das wirklich wert, in Heidenheim sich mit der UEFA anzulegen?

Das Spiel begann, leider viel zu schnell das Tor von Benfica. Ab sofort sollte es sehr schwierig werden mit einem Weiterkommen. Je länger die Halbzeit ging, desto schwächer war unsere Elf unterwegs. Ich musste mal wieder die Tribüne verlassen und einen Toilettengang einlegen um runterzufahren. Das Herz pochte einwenig sehr stark. Aber auch anderen von unserer Gruppe ging es nicht anders. Einen Ruhepuls von über 90 während dem Sitzen auf einem Stuhl? Nicht schlecht…

In der zweiten Halbzeit war dann das Spiel ziemlich schnell definitiv gelaufen. Die Ersten um uns heraus waren bereits damit beschäftigt einen Flug nach Chişinău zu buchen. Ich hatte Lust auf Bier, im Stadion gab es kein richtiges Bier. So machten wir uns sofort mit dem Schlusspfiff auf, mit der Metro in die Innenstadt zu gelangen, wo man sich als ganze Gruppe wieder sammelte. Bei einigen Bier wurde über das Erlebte geplaudert und bereits die Setzliste der kommenden Auslosung der Conference League studiert. Über 59'000 Zuschauer bei einem Spiel des FC St.Gallen 1879, das sollte ein neuer Vereinsrekord darstellen.

Am Freitag verabschiedeten sich immer mehr Leute. Unsere Gruppe hatte am Abend noch ein weiteres Fussballspiel auf dem Programm. Der Os Belenenses, mittlerweile in der dritten Liga, spielte gegen den Erstligisten GD Estoril Praia. Belenenses ist einer von zwei Clubs in Portugal, welcher nebst den drei grossen Clubs im Lande mal einen Meistertitel feiern durfte, sprich ein Traditionsverein. Ohne Erwartungen an dieses Spiel, wurden wir positiv überrascht. Beide Fanlager am Supporten, die Heimkurve gar mit bisschen Rauch und Fackeln. Da das Spiel 1 zu 1 endete, ging es ins Elfmeterschiessen. Schliesslich musste ein Sieger her. Belenenses gewann dieses mit 4:2 und durfte sich nachher Gewinner des Troféu Vincente Lucas nennen, einem Cup zu Ehren ihrer Vereinslegende.

Am Samstag endete unsere Reise. Das Fazit: Leider zu erwartende Niederlage gegen Benfica, sodass es nun in der Conference League weitergeht. Viel Bier, Super Bock schmeckt besser als Sagres, glaube noch nie soviel gegessen, was aus dem Meer kommt, aber auch sonst sehr feines Essen. Bereits wieder neue Reisepläne mit bisschen weniger Kilometer. Wieder steht nur eine Zweitages-Woche bei der Arbeit an.

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